Es ist zwar schon ein paar Tage her: wir waren Ende Januar/Anfang Februar in Sölden (im Ötztal) zum Skifahren. Wir hatten uns das recht spontan gemacht, da wir es schon im letzten Jahr verbummelt hatten, auf die Piste zu gehen.
Wir hatten uns in eine kleine Frühstückspension eingemietet (Haus Sonnenhang), wo wir zu moderatem Preis ein nettes, kleines Zimmerchen mit Panoramablick bekommen haben. Besonders nett war aber die Tatsache, dass wir von dort nur ca. 100m bis zur Piste laufen mussten und von dort dann direkt bis zum Lift abfahren konnten. Bei der Rückfahrt konnte man sogar tatsächlich bis vor's Haus abfahren - das war auch wirklich angenehm, denn wenn ich erstmal so richtig fertig bin von einem schönen Tag auf der Piste, dann muss ich nun wirklich nicht auch noch ein paar Kilometer mit mit diesen widerlichen Skistiefeln wandern ... Nicht ganz so aufregend war jedoch das Frühstück - Auswahl war zwar vorhanden, allerdings waren das eher einfache Wurst- und Käsesorten - also nichts mit leckerem Tiroler Speck und dgl. - und nur diese schrecklichen Getreideleichen (man nennt sie auch "Kaiserwecken"). Wir haben uns dann gegen Aufpreis bessere Brötchen bringen lassen. Für etwas anderes reiche das Budget nicht, meinte die Vermieterin. Auch haben wir eine Sauna vermisst, wobei die natürlich auch weder angeboten, angekündigt noch bestellt war. Trotzdem wär's nett gewesen, da nach der Piste noch mal etwas zu schwitzen.
Skifahrerisch gibt es nicht viel zu sagen - es war einfach nur Klasse. Das Skigebiet ist ja mit knapp 150 km Piste recht weitläufig, und das haben wir bei besten Schnee- und Pistenverhältnissen auch ausgiebig ausgekostet. Im Tal wurde der Schnee gegen Nachmittag zwar etwas sulzig, auf dem Berg - bei bis über 3000 Meter! - war der Schnee aber immer traumhaft. Weiterhin wurde auch kräftig beschneit, so dass es hier keinerlei Grund zum Klagen gab. Da Nebensaison war waren die Pisten auch nicht zu überlaufen und es gab immer wieder neue, tolle Stellen zu entdecken. Auch Wettermäßig hatten wir Glück.
Am Samstag (unser erster Tag - wir sind extra schon um 5 Uhr daheim losgefahren, um ob der tollen Wetterprognose den Tag zu nutzen) schien die Sonne fast den ganzen Tag. Sonntag war's dann stürmisch und bäh, da waren nur eine Hand voll Liste geöffnet und dort hat sich dann alles geknubbelt. Ab Montag war's dann wieder traumhaft, ja fast schon frühlingshaft, und so blieb es dann auch die nächsten Tage.
Mittwoch haben wir einen Skitag in Obergurgl-Hochgurgl gemacht, einem Partner-Skigebiet von Sölden, wo wir aufgrund eines Skipassupgrades einen Tag lang fahren konnten. Dort war's von der Atmosphäre her ganz anders. Viel mehr karge Pisten in guten Zustand - wir hatten Vormittags viel Spaß, aber gegen später wurde das ganze Gebiet von Skikursen überrollt, so dass dann nicht mehr an allzu sportliche Abfahrten zu denken war ...
Donnerstag war es im Tal tierisch neblig, und wir sind quasi im Blindflug über die von uns ja schon bekannten Pisten Richtung Gletscher gefahren. Dort oben war man dann oberhalb der Wolken, was ein toller Anblick war. Dank des Neuschnees konnten wir da dann auch die Freuden des Tiefschneefahrens erleben - ach, was sage ich: des Tiefschneeschwebens, denn so hat sich's angefühlt. Nur am Freitag - unserem letzten Skitag - war's dann doch so unschön, dass wir beschlossen hatten, etwas früher heimzufahren, um der Autokaravane am An- und Abreisetag zu entkommen. War eine gute Entscheidung.
Kulinarisch wäre Sölden fast ein Desaster geworden, denn zusätzlich zu dem beschriebenen Frühstück gab es fast überall nur dieselben Gerichte zu essen: Schnitzel mit Pommes, Cordon Bleu mit Pommes und sonst noch einiges, was man schnell aus Fritteuse und Grill zaubern kann. Das Zeug war zwar nicht schlecht, aber wer will schon ständig das gleiche essen? Später haben wir dann auch gesehen, dass die meisten Restaurant vom selben Convenience-Food-Lieferanten (A la Carte) beliefert wurden. Kein Wunder, dass es überall gleich geschmeckt hat ...
Zum Glück haben wir jedoch dank unseres Freundes, dem Internet, eine gute Adresse für gutes Essen gefunden: das Hotel Regina. Im Tal an der Straße direkt beim Lift zwar praktisch, aber nicht schön gelegen, bietet das Hotel einen tollen Wellnessbereich (Den wir nur auf Fotos gesehen haben) sowie eben eine phantastische Halbpension (von der wir auch nur die Abend-Hälfte gesehen haben). Jedenfalls ließ sich das Abend-Menü auch unabhängig von einer Übernachtung ordern. Am Sonntag gab's ein 9-gängiges Gourmet-Menü mit wirklich exquisiten Speisen für 42 EUR p.P. (was zwar viel Geld ist, in Anbetracht der gebotenen Leistung jedoch fast schon lächerlich erscheint). An den Folgetagen war das Menü etwas reduzierter (aber, mal ehrlich, wer will kann schon jeden Tag 9 Gänge verdrücken?), kostete dafür aber auch etwas weniger. Wobei ich schon sagen muss, dass wir das Preiskonzept nicht so recht verstanden haben - der Menüpreis richtete sich immer nach dem Hauptgericht, von dem es immer drei verschiedene Zur Auswahl gab und kostete für die ersten beiden Hauptgerichte 38 EUR, für das dritte Hauptgericht jedoch nur 22 EUR. Macht immerhin eine Differenz von 16 EUR. Wenn man dann aber sieht, dass die auch einzeln bestellbaren Hauptgerichte nur einen Preisunterschied von 6 EUR haben (12 EUR dass günstigere und 18 EUR die teureren) und dass ansonsten alle Leistungen identisch sind, dann versteht man das nicht so recht. Wir haben jedenfalls immer nur das Menü mit dem günstigeren Hauptgericht bestellt. Am ersten Abend haben wir zwar mit einer Diskussion gerechnet ("Oh, da war leider ein Tippfehler in der Karte ..."), aber da gab's keine Diskussion, weil's schon gestimmt hat. Klasse, oder?
Vom Publikum her war's in Sölden recht gemischt. Natürlich viele Österreicher und Deutsche, aber auch etliche Niederländer. Etwas irritiert waren wir jedoch, dass es so viele Russen gab - die werden auch recht offensiv von Sölden umworben. Kein Wunder - jemand, der sich die teure Reise inkl. Visum etc. leisten kann, der gibt auch vor Ort sein Geld aus. Außerdem buchen die Russen wegen der Reiseformalitäten wohl auch recht frühzeitig und kommen dann auch wirklich und bleiben mind. zwei Wochen - egal, wie das Wetter ist. War trotzdem etwas irritierend, überall alles auch in Kyrillisch zu sehen ...
Insgesamt hatten wir also einen wunderschönen Urlaub mit 7 Skitagen, gutem Essen, gutem Wetter, ohne Beinbruch und sonstige Malessen, ja sogar ohne allzu viel durchgescheuerte Beine, krampfigen Füßen etc. Also, gerne wieder!