Vor einer Woche hat ja, wie angekündigt, die Demonstration gegen die zweite Startbahn in Stuttgart stattgefunden. Erwartet wurden von den Veranstaltern je nach Wetter zwischen 5.000 und 10.000 Demonstranten, teilgenommen haben laut Polizeiangaben schließlich über 15.000 Menschen. Meine erste Sorge, dass da nur ein paar Hanseln auftreten, hat sich damit zum Glück nicht bewahrheitet. Weiterhin waren längst nicht nur die üblichen Verdächtigen vertreten, also die Weltverbesserer und die Technologieverächter, sondern der überwiegende Teil waren recht vernünftige Leute gemischten Alters, die nicht per se "gegen" den Flughafen sind, sondern die einfach der einseitig gefärbten Argumentation des Flughafens bezüglich der Notwendigkeit des Ausbaus nicht folgen können oder wollen und die nicht bereit sind, für die alleinigen Profitinteressen des Flughafens Einbußen ihrer persönlichen Lebensqualität und teils drastische Minderung ihrer Immobilienpreise hinzunehmen. Zu diesen Menschen zählen wir und unsere gesammelte Nachbarschaft uns übrigens auch.
Die sich an die Demo anschließende Kundgebung war darüber hinaus auch sehr interessant - zu sehen, wie von den Bürgermeistern der Region bis hin zu den Landes- und Bundestagsabgeordneten, der FDP-Fraktionsvorsitzende etc. alle hinter einem bzw. hinter der gemeinsamen Sache stehen, das war schon was besonderes. Politik zum Anfassen eben.
Um von Resultaten sprechen zu können, ist es sicher noch zu früh, aber laut SWR gibt es inzwischen selbst innerhalb der dem Ausbau bislang "ergebnisoffen" gegenüberstehenden CDU unter Ministerpräsident Oettinger Überlegungen, von dem Vorhaben abzurücken und zumindest einen Teil der Touristik-Flüge nach Söllingen (Baden-Airpark) zu verlagern. Dort gibt es immerhin ausreichend Kapazitäten.
Bleibt zu hoffen, dass es sich dabei nicht nur um ein taktisches Manöver handelt mit dem Zeil, der Protestbewegung den Wind aus den Segeln zu nehmen, und das schließlich darin resultiert, dass nach der Prüfung möglicher Alternativen "plötzlich leider feststeht", dass es keine weiteren Alternativen gibt und das damit der Ausbau zwingend erfolgen muss. Mal sehen ...